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Unterbringung für 25-jährigen Mann aus Syrien

LANDGERICHT HANNOVER

Nach Tötungen im April 2017: Schwurgericht ordnet Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Am Nachmittag hat die 13. Große Strafkammer des Landgerichts Hannover für einen 25-jährigen, aus Syrien stammenden Mann die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet (§63 StGB).

„Die Taten sind Tragödien, die eine große Gefährlichkeit belegen" führte der Vorsitzende der Kammer, Richter Wolfgang Rosenbusch zur Begründung aus. Das Gericht stellte fest, dass der Beschuldigte an einer schweren Psychose leidet, die im April dieses Jahres eine dramatische Entwicklung genommen und seine Einsichtsfähigkeit vollständig aufgehoben hatte.

Der Mann hatte in den Abendstunden des 15. April eine junge Frau in der Adelheidstraße in Hannover mit mindestens 22 Messerstichen getötet. Im Laufe seiner Untersuchung durch den psychiatrischen Sachverständigen hatte der Mann auch diese Tat eingeräumt. Zuvor hatten nur die Aufnahmen von Überwachungskameras auf seine Spur geführt. Am 18. April tötete er in Kleefeld wiederum mit einem Messer einen Freund, der sich wegen seines Gesundheitszustandes mit ihm verabredet hatte. Dieser hatte dem Beschuldigten helfen wollen.

Das Gericht hat die Taten jeweils als Totschlag qualifiziert, weil sich die Voraussetzungen für eine Heimtücke im Sinne von § 211 StGB nicht feststellen ließen. Heimtückisch handelt, wer die Arg- und Wehrlosigkeit seines Opfers zu dessen Tötung ausnutzt. „Wir wissen nicht, was sich der Beschuldigte in seinen Wahnvorstellungen vorgestellt haben mag, deshalb ist unklar, ob er die Arg- und Wehrlosigkeit seiner Opfer auch ausnutzen wollte. Bei einem Gesunden wäre das Vorgehen zweifellos heimtückisch" begründete Rosenbusch.

Der Mann, der seit April bereits vorläufig in einer geschlossenen Klinik untergebracht war muss dort nun dauerhaft bleiben, bis keine Gefahr mehr von ihm ausgeht.

Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Hans-Christian Rümke

Richter am Landgericht

Medienmanager

Strafgesetzbuch (StGB)

§ 211 Mord



(1) ...

(2) Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.

§ 20 Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen



Ohne Schuld handelt, wer bei Begehung der Tat wegen einer krankhaften seelischen Störung, wegen einer tiefgreifenden Bewußtseinsstörung oder wegen Schwachsinns oder einer schweren anderen seelischen Abartigkeit unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln.

§ 63 Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus



Hat jemand eine rechtswidrige Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit (§ 20) oder der verminderten Schuldfähigkeit (§ 21) begangen, so ordnet das Gericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, wenn die Gesamtwürdigung des Täters und seiner Tat ergibt, daß von ihm infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten, durch welche die Opfer seelisch oder körperlich erheblich geschädigt oder erheblich gefährdet werden oder schwerer wirtschaftlicher Schaden angerichtet wird, zu erwarten sind und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist.

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